
Die Spaß-Richtlinie
(The Fun Standard)
Dokument-Nr. 37IWS.de
1 Hintergrund, Ziel und Anwendungsgebiet
In den Organisationen der Welt sind Richtlinien für Verwaltung,
Fertigung, Software-Entwicklung und andere Prozesse verfasst
worden. Dennoch garantieren die Prozesse allein noch keinen Erfolg.
Menschen müssen sich wohl fühlen, um produktiv zu sein.
Maximale Produktivität kann nur dadurch erreicht werden,
dass alle Mitarbeiter Freude an der Arbeit haben. Diese Richtlinie
führt wesentliche Punkte auf, die zur Arbeitsfreude in der
Organisation und zum Spaß an und bei der Arbeit beitragen
können.
Die wichtigste Zutat muss jeder einzelne selbst hinzufügen;
nämlich den Spaß an sich.
2 Definition
Spaß besteht aus Elementen wie:
Ausgelassenheit, Entzücken, Ekstase, Freude, Fröhlichkeit,
Frohlocken, Frohsinn, Gekicher, Gelächter, Geselligkeit,
Glück, Heiterkeit, Herumalbern, Hingerissensein, Jubel, Lebensmut,
Lebhaftigkeit, Scherzen, Schwung, Seelenruhe, Sorglosigkeit, Spiel,
Spott, Sticheleien, Stimmung, Ulk, Unbeschwertheit, Unterhaltung,
Witzen, Witzigkeit und Wonne.
3 Prozess
Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung: Deshalb
wird die Organisation in Richtung auf gegenseitige Kooperation,
Toleranz, Effizienz, Vertrauen, Kommunikation und Wohlwollen
umgestaltet.
3.1 Jede Führungskraft wird:
- sich selbst als Angestellten seiner Organisation sehen und
seinen Mitarbeitern die erforderlichen Mittel zur Erledigung ihrer
Arbeit bereitstellen,
- die Planung verbessern, die Ziele bekanntmachen, Termine
verfolgen,
die richtigen Mitarbeiter in die richtigen Positionen bringen,
sicherstellen, dass jeder weiß, wie er konstruktiv
mitwirken kann und entscheiden, wie auf Überraschungen zu
reagieren ist,
- wenigstens ein Treffen pro Woche einrichten, wöchentlich
nicht mehr als vier Stunden in Sitzungen verbringen, reguläre
Sitzungen in den Nachmittag verlegen und jede Sitzung mit einer
Zielfestlegung und einer Tagesordnung beginnen und beide zu Beginn
der Sitzung darlegen, falls nicht vorher vereinbart,
- höchstens eine Seite wöchentlichen Berichts von
allen direkt Unterstellten fordern und lesen und dafür sorgen,
dass kein Mitarbeiter mehr als dreißig Minuten pro
Woche für die Vorbereitung seines regulären Berichts
benötigt,
- Aufstieg nur nach Leistung ermöglichen und gleichzeitig
gewährleisten, dass zumindest einer der nachrückenden
Mitarbeiter die Tätigkeit des Aufgestiegenen gleich gut verrichten
kann,
- öffentlich loben und nur privat kritisieren,
- Bearbeitungszeiten so planen, dass Überstunden
überflüssig
werden und die Zeitvorgaben auf der Basis der Einschätzung
derjenigen machen, welche die Arbeit verrichten,
- ein leistungsorientiertes Bewertungssystem als Rückkopplung
für alle Angestellten einrichten, erkennbar reagieren und
nützliche Vorschläge machen,
- ein leistungsorientiertes Prämiensystem für alle
Mitarbeiter der Organisation einrichten,
- bei Erfolgen das Lob gerecht verteilen und die Verantwortung
für alle Fehlschläge übernehmen,
3.2 Jeder Mitarbeiter wird:
- der Erfüllung der Ziele der gesamten Organisation oberste
Priorität einräumen und sich von isolierten Aufgaben
fernhalten, die nicht der Erreichung der Geschäftsziele dienen,
- etwas gegen die Verschwendung tun und keine
überflüssigen
Forderungen stellen,
- Zusagen schriftlich festhalten und dazu stehen, keine Ergebnisse
versprechen, die nicht eingehalten werden können und falls
sich abzeichnet, dass eine Zusage doch einmal nicht eingehalten
werden kann, so früh wie möglich darüber informieren,
- gute Arbeitsbeziehungen zu allen anderen Abteilungen aufbauen und
alle Kollegen und Mitarbeiter unabhängig von deren Aufgabengebiet
respektieren,
- sein Wissen mit anderen teilen, kein Fachchinesisch reden
und, wenn er etwas nicht weiß, nicht so tun, als ob er es
wisse,
- null Fehler bei jeder Arbeit anstreben, die er an andere
weiterreicht
und zwar durch gewissenhafte Selbstprüfung auf Genauigkeit,
Vollständigkeit, und (Folge-)Richtigkeit,
- Schriftstücke verfassen, die allgemein verständlich
sind
und sich an die Regel: "In der Kürze liegt die Würze."
halten,
- sich seinem Vorgesetzten gegenüber so verhalten, wie er es
von seinem Mitarbeiter erwarten würde, wenn er selbst Chef
wäre.
3.3 Das Personalwesen wird:
- sicherstellen, dass alle Mitarbeiter wenigstens fünf
Wochen Urlaub pro Jahr erhalten und dass zumindest drei Wochen
ungenutzten Urlaubs ins Folgejahr übertragen werden können,
- flexible Arbeitszeiten einrichten und dafür sorgen, dass
Überstunden abgebummelt werden können,
- sicherstellen, dass auf unkollegiales Verhalten und Mobbing
unnachsichtig reagiert wird; wenn nötig mit Abmahnungen und
falls diese nicht fruchten mit Versetzung des betreffenden Mitarbeiters
in einen Bereich, in dem er keinen Schaden für den Rest der
Organisation anrichten kann und in dem er bis zur Besserung seines
Verhaltens bleiben muss,
- sich darum kümmern, dass alle Mitarbeiter wenigstens eine
Woche Fortbildung oder Training pro Jahr erfahren und ermöglichen,
dass Angestellte ihre eigenen Trainingsziele stecken, sofern keine
Vorauswahl durch ihr Management getroffen wurde.
3.4 Haustechniker und Arbeitsplatzgestalter werden:
- sicherstellen, dass von jedem Arbeitsplatz aus zumindest
drei lebende Pflanzen innerhalb des Raumes und wenigstens eine
außerhalb des Fensters sichtbar sind,
- für weitestgehende Geräuschdämmung sowie
Schallisoliering
und -abweisung sorgen,
- blendfreie Beleuchtung einsetzen, die dem vollen Spektrum
des Sonnenlichts nahekommt,
- Copyboards mit Markern in mindestens drei Farben für
alle Mitarbeiter zur Verfügung stellen,
- allen Mitarbeitern einen Computer zur Verfügung stellen, der
jünger als drei Jahre ist und mit einer Textverarbeitung, einer
Tabellenkalkulation, einem Grafikprogramm sowie einem Internetzugang
einschließlich E-Mail und Newsgroups ausgestattet ist.
3.5 Das Unterstützungsteam wird:
- die Bürokratie eliminieren und Grabenkriege zwischen
den Abteilungen ausräumen,
- Bearbeitungszeiten verkürzen und die Komplexität
der Prozesse senken,
- in ihrem Verantwortungsbereich für reibungslose Abläufe
in der Organisation sorgen.
3.6 Alle Mitarbeiter werden:
- nach Vollkommenheit und ständiger Verbesserung der
Qualität
ihrer Arbeitsergebnisse streben,
- tolerant gegenüber Geschlecht, Behinderung, Religion
oder Hautfarbe sein, alle anderen Mitarbeiter als Menschen gleichen
Werts schätzen und nie ihr Selbstwertgefühl durch
Erniedrigung
eines anderen zu steigen suchen,
- niemals üble Nachrede oder Tratsch über andere
verbreiten;
statt dessen den positiven Eigenschaften anderer gegenüber
aufgeschlossen sein und bei guten Leistungen angemessenes Lob
aussprechen,
- jedem intensiv zuhören, niemanden unterbrechen und bessere
Ideen ohne zu zögern aufgreifen,
- auf Nörgelei verzichten und statt dessen konstruktive
Verbesserungsvorschläge machen,
- die Umwelt schützen und gleichzeitig Kosten sparen,
- nie mit ansteckenden Krankheiten zur Arbeit kommen,
- die Tafel am Ende jeder Sitzung säubern,
- frischen Kaffee aufsetzen, wenn der alte zur Neige geht,
- niemals ausfallend werden, die gute Laune bewahren und mindestens
zweimal pro Stunde für jeweils mindestens fünf Sekunden
lächeln.
4 Abbruchkriterien
Dieser Prozess endet, wenn sich alle Mitarbeiter jeden Tag
darauf freuen, zur Arbeit zu kommen und jeden Tag mit dem Gefühl
von Freude, Stolz und Zufriedenheit die Arbeit beenden.
Ein Versagen bei der Vermittlung von Spaß kann nicht geduldet
werden.
Diese Fassung ersetzt alle vorangegangenen Ausgaben mit sofortiger
Wirkung und hat Vorrang gegenüber Satzungen.
5 Quelle
William Stewart <seven@fox.nstn.ca>
"Fun Standard", http://www.livinginternet.com/fun/funstandard.html
Übersetzung und kleine Änderungen von Elmar Hillel;
E-Mail:
spass@hillel.de
Hinweis zum Copyright:
Dieses Dokument darf frei verteilt, kopiert, verändert oder
anderweitig verwendet werden.
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